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Provence – Ventoux per Pedes

Nachdem ich bereits drei mal auf den Mont Ventoux gewesen bin, stand noch ein viertes mal auf dem Plan. Diesmal allerdings nicht mit dem Fahrrad. Sondern zu Fuß mit der Familie. So hatte ich es mir jedenfalls vorgestellt, aber ich konnte ja ungefähr erahnen was uns erwartete. Bei der Hitze sah ich keine Möglichkeit, wie die Kinder den Weg schaffen sollten. Daher plante ich mit Hilfe von Komoot um. Das hatte ja in Marsailles schon so gut geklappt.

Wir fuhren mit dem Auto über Malaucene auf den Ventoux. Nicht ganz bis zum Gipfel, sondern nur bis nach Mont Serein. Einen kleinen Ort, der das Zentrum des Skigebietes auf der Nordseite des Ventoux bildet. Meine Familie konnte zum ersten Mal sehen, wo ich mich ein paar Tage zuvor mit dem Fahrrad hochgequält hatte. Natürlich waren auch an diesem Tag unglaubliche viele Radfahrer unterwegs. Und das obwohl das Wetter nicht wirklich angenehmer war.

In Mont Serein fanden wir einen guten Parkplatz. Nur ein paar hundert Meter vom Startpunkt der geplanten Wanderung entfernt. Von dort aus waren es noch circa 3,5 Kilometer bis zum Gipfel. Mit ungefähr 500 Höhenmetern. Der Weg führte durch bewaldetes Gebiet. Nicht zu steil, aber trotzdem mit häufigen Richtungswechseln. Kurz darauf gab es dann den ersten Blick auf die Geröllfelder. Diese waren deutlich steiler, als die auf der Südseite des Berges. Auf jeden Fall beeindruckend schön und ganz anders als das was man von der Straße sehen konnte.

Geröllfelder
Geröllfelder

Kurz darauf endete dann auch für uns der Wald und wir mussten auch durch das Geröllfeld. Der Weg schlängelte sich im Zick-Zack weiter hinauf in Richtung Gipfel. Stellenweise so steil, das wir auf allen vieren unterwegs waren. Ohne Hände fanden wir einfach keinen sicheren Halt und schon gar nicht wenn man noch auf die Kinder aufpassen musste. Und genau in diesen Abschnitt des Weges wurden wir von zwei rüstigen Rentner überholt. Die Profis waren mit Stöcken unterwegs. Damit fanden sie natürlich viel einfacher Halt als wir.

Kurz vor dem Gipfel mussten wir dann auf die Straße wechseln. Da wir dort wieder richtig stehen konnten, nutzten die die Stelle für eine kleine Pause. Vor allem zum Trinken. Als wir dann wieder beim zusammenpacken waren, vernahmen wir ein komisches Geräusch. Und das wurde immer lauter. Der erste Blick fiel auf die Motorräder, die sich uns näherten. Aber nein, dafür war das Geräusch mittlerweile viel zu laut und es kam direkt vom Gipfel. Dann plötzlich ein schneller Schatten und ohrenbetäubender Krach. Ich ging davon aus, das uns eine Gerölllawine entgegen kam. War es dann aber zum Glück doch nicht. Es war ein Kampfflugzeug, welches im Tiefflug über den Gipfel flog. Warum auch immer.

Ich versuchte noch ein Foto zu machen, wie das Flugzeug dann im Tal verschwand. Aber dies gelang mir nicht dazu ging es einfach zu schnell. Wir erholten uns von dem Schreck und liefen die letzten paar Meter bis zum Gipfel. Dort oben war die Hölle los. Menschen über Menschen und auch der Hund, mit dem ich mich beim Radfahren angefreundet hatte, war wieder da. Diesmal hatte ich aber keine Chance mich mit ihm zu unterhalten. Für meine Kinder war der Hund das Highlight. Ich nutzte die Zeit und machte Fotos.

Auf dem Gipfel
Auf dem Gipfel
Sommet Mont Ventoux
Sommet Mont Ventoux

Dabei beobachtete ich einen Typen mit deutlich sichtbaren Bierbauch. Dieser lieh sich ein Rennrad, stellte sich vor das Gipfelschild ablichten. Sogar mit der Cringles … Plaktette am Rad. Er hätte also nur noch die 3 zeigen müssen, um das Foto perfekt zu machen. Aber davon wusste er scheinbar nichts. Ich hatte genug Fotos und ging in den Souvenirshop. Beim Radfahren hatte ich nicht wirklich Zeit mich dort umzuschauen. Kaufte mir dann eine Kaffeetasse und ein Bike-Cap als Andenken. Meine Kinder spielten noch immer mit dem Hund. Sie ließen ihn erst in Ruhe als ich ihnen erlaubte ein paar Süßigkeiten für den Rückweg zum Auto zu kaufen. Schneller als ich sehen konnte waren die Kinder dann am Aussuchen.

Blick über die Straße zum Gipfel
Blick über die Straße zum Gipfel

Direkt am Start des Rückwegs dann die erste Überraschung. Direkt am Gipfel, neben der Radarstation, mitten im Geröllfeld gab es eine Herde Schafe. Beim Radfahren fielen sie mir überhaupt nicht auf. Aber die Schafe waren farblich ja auch perfekt an den Berg angepasst. Sie verrieten sich aber durch ihr Blöken. Ansonsten war der Weg vom Berg runter irgendwie angenehmer. Es war nicht zu steil. Ging über breite Skipisten ins Tal hinab. Diese waren im Sommer natürlich ohne Schnee, aber dafür mit recht hohem Gras. Im letzten Teil der Strecke konnten wir recht lange die Kart-Bahn der Station Mont Serein beobachten. Wenn es möglich gewesen wäre, wären die Kinder am liebsten ins Tal hinuntergefahren. Aber man konnte die Fahrzeuge nur im Tal mieten.

Wunderschöner Wanderweg
Wunderschöner Wanderweg

Beim Chalet Liotard wollten wir noch eine Pause machen. Eigentlich was essen. Aber zum Mittag war es bereits zu spät und zum Abendbrot zu früh. Die Küche war zu und es gab nur Eis und Crêpes. Meine Mädels entschieden sich alle für einen Eisbecher und ich wollte zwei Crêpes essen. Schon als der Kellner das Besteck brachte, gab es die erste Verwirrung. 3 Löffel und 2 mal Messer/Gabel. Irgendwie zu viel. Und als die Crêpes dann an den Tisch gebracht wurden … ist es wirklich so unnormal zwei einfache Crêpes mit Zucker zu essen?

Die letzten Kilometer zum Auto hätten wir eigentlich direkt an der Straße entlang laufen können. Das wollten wir aber nicht, also machten wir einen kleinen Umweg durch den Wald. Gleich zu Beginn trafen wir dabei auf einen Esel, der natürlich wieder begrabbelt werden musste. Ich versuchte davon Fotos zu machen, mit dem Ventoux-Gipfel im Hintergrund. Aber irgendwie klappte das nicht so richtig. Meine Frau konnte das besser. Zwar ohne Gipfel. Aber dafür mit 2 Eseln…

Kurz bevor wir das Auto erreichten mussten wir noch durch Mont Serein hindurch gehen. Der Ort wirkte wie ausgestorben. Viel Ferienhäuser. Viele große Ferienhäuser und einige offenbar auch seit Jahren nicht mehr benützt. Schade eigentlich, denn die Lage ist dort eigentlich traumhaft. Am Auto entschieden wir uns über Beduin zurück zur Ferienwohnung zu fahren. Also noch einmal auf den Gipfel. Die Kinder waren begeistert: „Dann hätten wir uns die Wanderung ja sparen können.“

Am Tom Simpson’s Memorial hielten wir noch einmal kurz an, denn meine Frau wollte sich das gerne anschauen. Da man da aber nicht parken kann, hielt ich nur am linken Fahrbahnrand an. Meine Frau stieg aus und wir blieben im Auto. Vor uns stand ein weiteres Auto. Ebenfalls aus Deutschland. Dieses parkte dort allerdings nicht ganz freiwillig. Sie waren doch echt genau an dieser Stelle liegen geblieben. Als wir dann weiter fahren wollten, war auch der Abschleppdienst bereits da.

Mit dem Auto auf dem Ventoux
Mit dem Auto auf dem Ventoux

Als ich dann das Auto vom Berg hinunter fuhr, dachte ich natürlich an meine Radtour. Die Abfahrt fühlte sich dadurch genau so, wie ein paar Tage zuvor, als ich es gerade geschafft hatte den Ventoux dreimal zu bezwingen. Die Kinder schauten erstaunt aus dem Fenster: „Papa, und hier bist du mit dem Fahrrad raufgefahren?“